Rechnungswesen · Lektion 3 von 8
Inventur: ehrlich nachschauen, was du wirklich hast.
Bis hierher ging es um das, was rein und raus fließt. Jetzt halten wir kurz an und schauen: Was ist gerade da? Genau das ist die Inventur.
Miriam Haberer · Dozentin, Trainerin und Speakerin · IHK-Prüferin · seit 2004 im Unterricht
Das kennst du schon
Stell dir vor, du räumst am Jahresende dein Lager, deinen Werkzeugschrank oder deine Kasse durch und zählst nach, was wirklich da ist. Es zählt, was du tatsächlich in der Hand hältst, egal was auf dem Papier steht. Privat machst du das auch: Du schaust vor dem Einkauf in den Kühlschrank.
Im Betrieb heißt dieses Nachschauen Inventur. Du stellst fest, was an einem bestimmten Stichtag wirklich vorhanden ist.
Inventur heißt nachschauen. Du zählst, was da ist. Was da sein müsste, steht woanders.
Warum das wichtig ist
Auf dem Papier kann alles stimmen, und in Wirklichkeit fehlt trotzdem etwas. Material wird verbraucht, geht kaputt, verschwindet. Wer nie nachschaut, rechnet mit Beständen, die es nicht mehr gibt. Die Inventur zeigt dir den tatsächlichen Stand und liefert die Grundlage für alles Weitere.
Eine ehrliche Einordnung: Gesetzlich verpflichtet sind alle, die bilanzieren, nach § 240 HGB. Wer eine EÜR macht, wie in Lektion 1, muss keine Inventur machen. Nachzählen lohnt sich trotzdem, spätestens wenn im Lager etwas fehlt und keiner weiß, seit wann.
Wie du erfasst: zählen, messen, wiegen
Nicht alles lässt sich gleich erfassen. Je nachdem, was du hast, nutzt du eine andere Methode. Das Prinzip ist immer dasselbe: die Menge so genau wie möglich festhalten.
Zählen
Stückware, die man abzählen kann. Schrauben, Geräte, Waren im Regal.
Messen
Was sich in Länge, Fläche oder Volumen ausdrückt. Kabel, Stoff, Flüssigkeit im Tank.
Wiegen
Was man am sinnvollsten über das Gewicht erfasst. Schüttgut, Material, Lebensmittel.
Die richtige Reihenfolge
Damit eine Inventur sauber wird und du sie nicht zweimal machen musst, hilft eine feste Folge:
- Stichtag festlegen.
Die Inventur gilt für genau einen Tag. Alles, was du zählst, ist der Stand an diesem Tag.
- Vorbereiten.
Ordnung schaffen, damit du nichts doppelt zählst oder übersiehst. Bereiche aufteilen, Listen bereitlegen.
- Erfassen.
Zählen, messen, wiegen, je nach Art. Sofort notieren. Der Kopf merkt sich keine 340 Schrauben.
- Festhalten.
Jede Menge wird schriftlich festgehalten. Aus diesen Notizen wird später das Inventar, das ist die nächste Lektion.
Die Inventur beantwortet eine einzige Frage: Was ist am Stichtag wirklich da? Erst zählen, dann glauben.
Bevor du weitermachst
- Du kannst sagen, dass Inventur das ehrliche Nachschauen am Stichtag ist.
- Dir ist klar, warum gezählte Bestände mehr wert sind als angenommene.
- Du kennst die drei Wege: zählen, messen, wiegen.
- Du weißt, dass aus den festgehaltenen Mengen als Nächstes das Inventar wird.
Wenn das sitzt, hast du den Unterschied zwischen Glauben und Wissen verstanden. In der nächsten Lektion bringen wir deine gezählten Mengen in Form: das Inventar. Ab Lektion 4 geht es in der CUBE Business SUITE weiter.
Deine erste Inventur
Einmal richtig aufsetzen?
Genau dafür bin ich da. Ich bin Miriam Haberer, Dozentin und IHK-Prüferin, seit 2004 im Unterricht. Schreib mir, dann gehen wir deinen Stichtag gemeinsam durch. Wer die Buchhaltung am eigenen System lernen will, findet das im Buchhaltungscoaching.